Helde

Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen.
Ich danke dir, mein himmlischer Vater, durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn, dass du mich diesen Tag gnädig behütet hast, und bitte dich, du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe, und mich diese Nacht auch gnädig behüten.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände. Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.
(Martin Luther)

Liebi Mit-Läsendi,

Heit Dir ou öie persönleche Held? Helde si nämlech öppis Gäbigs: si näme üs d’Arbeit ab, wenn’s bränzlig wird, wenn’s für üs normali Mönsche ds’ gfährlech und ds’ unsicher wird. Helde si fasch unbesiegbar, hei übernatürlechi Chreft, heisse Spiderman, Gladiator, James Bond oder Wilhelm Tell. Und si gseh guet us und gwinne nid nume jede Kampf, sondern erobere ou no üser Härze. De gitt’s no anderi Helde, z.B. im Sport: Die, wo ir letzschte Minute ds’entscheidende Goal fürne Mannschaft schiesse oder Helde bir Füürwehr oder, leider vore grosse Aktualität, im Spital oder im Alltag – weme umeluegt und umelost, de gitt’s i vili Helde und Heldinne I ganz verschiedene Bereiche vo üsem Läbe begägne mir Helde – das cha ou im ganz Chlyne passiere – äs muess nid geng die ganzi Wäut grettet wärde.

Helde mit Härz schritte so i de unschinbare Momente i: z.B. dass me sech uflehnt, wenn ä Mönsch plaget wird; dass me ischritet, wenn Schwachi demütiget wärde; dass me lut wird, wo anderi schwige; dass me Schwächere hiuft. Das wäri Heldetum mit Zivilcourage. Helde häufe i erschter Linie andere Lüt, darum isch Heldetum ou ä Absag a Egoismus: Meh stellt sich zrugg, um öpper anderem ds’ häufe. Wär egoistisch isch, wird wohl nie zum Held für siner Brüdere und Schwöschtere.

Helde mit Härz: si dänke nid a sich, sondern a anderi Mönsche. Und das brucht Muet: Isches doch so, dass die mönschlechi Grundkonstitution nid druf usgleit isch, elei ds’ stah. Viumeh isch d‘Orientierig ar Gruppe töif i üs drinne. Mir kenne ds’ Bedürfnis, üs a de Mitmönsche us ds’ richte, üs teilwys a ds‘ passe und das guet ds’ finde, was anderi guet finde und das ds’dänke, was anderi dänke. Drum si Helde eher dünn gsäit und darum bewundere mir Mönsche, wo ihri eigeti Meinig hei und se bedingigslos verträte. Mönsche, wo unger schwierige Umständ zu ihrer eigete Meinig stöh und die nid verlöh und gäge vili, mängisch ou schmärzhafti Umständ, verteidige – churz: ihrem eigete Gwüsse folge.

So hett das ou Jesus Christus gmacht: gäge ganz vili Widerstände düre, hett är a sire Botschaft festghaute und se verteidiget. Sogar a ds’Chrüz isch är gange, wöu är nid hett wöue lugg lah ir Vebreitig vor Botschaft vor Liebe und vom Mitenang, astell vo Egoismus und Gägenang. Sire Zivilcourage und sim Muet und sire Beharrlechkeit isch ds Christetum eigetlech ds’ verdanke – es isch letztändlech wäge genau däm entstande und darum fiire mir hüt ou Gottesdienschte, indäm mir üs da dra zruggerinnere und em Vater, em Suhn und Heilige Geischt derfür danke.

Ir Bibu gitt’s ou no anderi Helde, z.B. dr Moses:

Mose hütete die Schafe und trieb sie über die Steppe hinaus und er kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und Mose sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, auf dem du stehst, ist heiliges Land! Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich will sie herausführen aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, darin Milch und Honig fließt. So geh nun hin, Mose, zum Pharao, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst. Mose sprach zu Gott: Wer bin ich, dass ich die Israeliten aus Ägypten führen kann? Gott aber sprach: Ich will mit dir sein. (2. Mose 3,112a)

„Ich will mit Dir sein“ – das spricht ire andere Sprach ds’Heldetum us: „I bi mit Dir, i hilfe Dir, i rette Di, i bi für Di da.“ Das säge üs vili biblische Gschichte – das seit üs Gott jede Tag: I bi mit Dir, i bi für Di da – Du chasch Di uf mi verlah. Und das isch guet so. Amen.

Unser Vater im Himmel! Geheiligt werde Dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

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3 Monaten ago
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About the Author: Jürg-Sven Scheidegger

Pfarrer / Teamleiter | juerg-sven.scheidegger@kg-koeniz.ch | +41 31 978 31 45

1 Comment

  1. Merci Jürg für diese schöne Predigt. Ich habe sie meiner Frau vorgelesen. Sie hat uns beide sehr berührt.
    Ich wünsche dir weiterhin gute Gesundheit und bis bald!
    Herzlich
    Peter

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