Coronavirus: Gottes Ruf zur Umkehr?

Bild: Pixabay

Gott ruft uns Menschen zu sich. Er ruft uns zur Umkehr. Er will uns zeigen, dass wir auf Abwege geraten sind.

Das Virus als himmlischer Anschlag auf unsere Moral. Dieser Botschaft begegne ich in Leserbriefen und auf Plakataushängen. Ich lese und schüttle den Kopf. Und ich werde nachdenklich. In einer ruhigen Minute tippe ich „Corona Strafe Gottes“ in meine Suchmaschine ein. Unzählige Texte und Videopredigten werden mir vorgeschlagen. Viele Sprecher und Schreiberinnen sind sich einig: Nur die Umkehr zu Gott führt aus der Krise. Wir können uns zwar gegen Gott entscheiden, doch wird das schlimme Folgen für uns haben!

Ich bin geschockt ob diesem Gottesbild. Es erinnert mich an den alten Spruch: „Wer nicht hören will, muss fühlen“. Auf diese Weise soll Gott für sich werben? So soll die Beziehung zwischen ihm und seinen Geschöpfen wieder geradegebogen werden? Himmlisches Marketing stelle ich mir anders vor.

Beim Scrollen kommt mir die Geschichte von Hiob und seinen Freunden in den Sinn. Sieben Tage lang hatten sie ohne Worte seinen Schmerz geteilt und mit ihm ausgehalten. Aber schliesslich mussten sie das unsägliche Leiden doch deuten. Drei Freunde sahen die Ursache davon in Hiobs Schuld. Anders konnten sie es nicht erklären. Ein weiterer Freund deutete das Leiden pädagogisch. Gott musste es zu Hiobs Läuterung geschickt haben.

Zum Schluss der Geschichte meldet sich Gott selbst zu Wort. Er ist wütend auf Hiobs Freunde. Sie haben sich mit ihren Deutungen geirrt. Hiobs Leiden ist weder als Strafe zu verstehen, noch hat es einen pädagogischen Zweck zu erfüllen.

Das Nachlesen dieser Geschichte hat mir geholfen. Die Fragen aus dem Hiob-Buch hatten mich schon länger beschäftigt. Unabhängig von der Corona-Krise. Immer mal ist mir die Frage begegnet: Was habe ich nur falsch gemacht, dass mir dies passiert? Oder auch: Was ist es bloss, das ich aus dieser Situation lernen muss?

Ich denke nicht, dass Gott (beziehungsweise eine schicksalhafte Macht) uns auf diese Weise erzieht. Für mich gilt es, diese Krise und persönliche Schicksalsschläge auszuhalten, so gut es irgendwie geht. Und ich glaube, dass sich Dankbarkeit oder auch Gottvertrauen ohne unser Zutun einstellen. Nicht weil wir es verdient haben. Sondern weil Gott gnädig ist.

Ein Beitrag von

6 Monaten ago
Avatar

About the Author: Vera Bonafini

Vikarin | vera.bonafini@kg-koeniz.ch

1 Comment

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.