#18 | Zündholz und Kerze im Gespräch

Es kam der Tag, da sagte das Zündholz zur Kerze: «Ich habe den Auftrag dich anzuzünden».

«Oh nein», erschrak die Kerze, «nur das nicht. Wenn ich brenne sind meine Tage gezählt. Niemand wird meine Schönheit mehr bewundern».

Das Zündholz fragte: «Aber willst du denn ein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne zuvor gelebt zu haben?»

«Aber brennen tut doch weh und zerrt an meinen Kräften», flüsterte die Kerze unsicher Und voller Angst.

«Es ist wahr», entgegnete das Zündholz. Aber das ist doch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen Licht zu sein. Was ich tun kann ist wenig. Zünde ich dich nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, Feuer zu entfachen.

Du bist eine Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nie verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben.»

Da spitzt die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: «Ich bitte dich, zünde mich an!»


Verfasser / Autor unbekannt. Ev. nach einem Gedicht von Friedrich Wehinger / Ein anderer Hinweis führt Gabriele Unkelbach als Verfasser an.

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  • Sozialdiakonin | christine.egli@kg-koeniz.ch | +41 31 978 31 43

7 Monaten ago
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About the Author: Christine Egli

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